
Auch wenn das jetzige Hostel mittlerweile ein zweites Zuhause geworden ist, war der erste wichtige Schritt, die Zimmersuche. Zu meinem Glück, hatte Sam schon einige Termine organisiert und wusste wo die Anzeigen zu finden sind. Man sucht hier weder über die Zeitung oder Laternenpfähle (die Uni war nicht so ergiebig), nein hier in Melbourne muß man wissen, wo sich ganz bestimmte Buchläden befinden, denn dort hängen dann die WG-Zettel aus. Tja, und dann geht es los. Auswählen, Anrufen und Termine ausmachen. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass dies für mich, der ungern Fremde anruft, zudem noch auf Englisch, der schwierigste Part des Ganzen war. Denn Strassennamen klingen immer anders als wie das was später als Buchstabensalat auf meinem Zettel stand. Der Strassenatlas ist der so genannte treuste Gefährte jeder Zimmersuche, welche Stunden in Anspruch nimmt. Mehr als 5-6 Besichtigungen schafft man fast gar nicht und am besten liegen zwischen den Terminen 1,5 bis 2h dazwischen. Am ersten Tag haben wir es noch mit 1 Stunde versucht, aber dies ist einfach nicht zu schaffen.
Die WG's waren äußerst unterschiedlich. Am schlimmsten waren die asiatischen. Sorry, möchte nun keine Vorurteile aufbauen, aber das Verständnis von Wohnen unterschied sich sehr. Das Schlimmste aller Beispiele war folgendes: Stell Dir einen großen Raum 5x8m über einem Geschäft in eigentlich guter Lage vor. Der Eingang erfolgt über den Hinterhof, dessen Fassade auf dieser Seite ist nicht geschlossen, sondern aus einem massiven Gitter mit Tür besteht (Assoziation Gefängnis kommt dem nahe). In diesen nur auf drei Seiten geschlossen Raum wurden in L-Form sechs Verschläge aus Sperrholz gezimmert. Stutzig wurde ich, als ich bemerkte, dass diese nicht von innen, sondern nur von aussen mit kleinen Vorhängeschlössern (wozu die Vermieterin alle Schlüssel hatte) verschlossen werden konnten. So bleiben vom Raum noch etwa 3x5m beim Eingang für die Küche und WC übrig. Ein Bad fällt mir gerade auf, wurde mir zum Glück nicht gezeigt, ebenso wenig ein Einziger, der anderen hier "Wohnenden". In der "Küche" hätte ich äußerst ungern irgendeine Mahlzeit, noch nicht mal meine Frühstückskellogs, zubereitet. Denn abgesehen von dem Zustand der Sauberkeit, war die Zusammensetzung der Örtlichkeiten doch etwas befremdlich. Zwischen den Küchenregalen war die Kloschüssel mit Vorhang platziert, gleich rechts daneben ging die "Küche" weiter, es kam die Spüle und der Herd. Und für dieses verlockende Wohnungsangebot wollte die nette Chinesin doch tatsächlich nur, dass ich 320 EUR im Monat zahle, ihr eine Kopie meiner Aufenthaltsgenehmigung hinterlege und eine sechsmonatige Kündigungsfrist einhalte. Nach diesem Erlebnis verzichtete ich auf weitere asiatische WGs. Ich hoffe alle Asienliebhaber verzeihen mir meine Vorbehalte.
Die anderen WG's waren dagegen echt durchweg nett. In Melbourne ziehen die meisten Einwohner ein Haus vor. Wohnungen existieren, die teuersten befinden sich in der City und am Strand; alle anderen Wohnhochhäuser wirken mehr wie Sozialwohnungen. Die 'Laundry', die Waschküche scheint in Australien eine wichtigere Rolle im Haus (auch im Grundriss) als bei uns zu spielen. Vielleicht war es auch nur bei mir so, aber noch bevor man das Wohnzimmer zu sehen bekommt, landet man in der Waschküche. Die Küche dagegen war bei der Hälfte der Orte nicht so wichtig, abgesehen dass die meisten sowieso aussehen wie aus dem letzten Jahrhundert, existierte nur in der Hälfte der WGs irgendwo ein Esstisch. Die nettesten WG waren eigentlich sogar die, wo man am Küchentisch mit den Leuten seine herausragenden Eigenschaften als neuer, potenzieller Mitbewohner besprochen hat. Nach fast 15 WG-Besichtigungen, sind die Gespräche und Fragen fast schon zur Routine geworden. Obwohl die Australier auch sehr einfallsreich sein können. Oder was antwortet man zum Beispiel auf die Frage "Wenn du ein Brathuhn wärest, welcher Teil wärest Du dann?" Gegrilltes scheint hier eine tiefere Bedeutung zu haben.
Ab Donnerstag 6.9 werde ich meine neue WG beziehen. Mit vier Anderen teile ich mir dann ein Haus in Brunswick. Bin mal gespannt wie das werden wird ...