Samstag, 22. September 2007

TIERWELT


Von giftigen Tieren fehlte bisher zum Glück jegliche Spur (Moment, schnell auf Holz klopfen). Zwar bin ich im Garten hochgeschreckt, als sich eine braune Spinne mit nem weißem Punkt auf dem Rücken plötzlich auf mein Bein zu bewegte, doch die war harmlos, wie mir lachend Miranda mitteilte. Mein erstes typisches australisches Tier habe ich gestern endlich gesehen. Ein Opossumbaby, welches die Mitbewohnerinnen von Sam vorgestern nacht gefunden und gestern zur Tierpflege in den Zoo gebracht haben. Anders als in NZ, wo es den Bewohnern einen Heidenspass zu machen scheint, diese Gattung mit dem Auto "platt" zu fahren, sind Opossum in Australien geschützt. Nicky meinte, dass die Tiere hier in den Stadtparks heimisch sind und sehr zutraulich werden. Egal was Kiwis von diesen Tieren halten, da sie einer der Hauptgründe für die Gefährdung ihres Nationaltieres in NZ sind, ich mag Opossums.

Mittwoch, 19. September 2007

SHOPPING CITY MELBOURNE


Kam ich vor 4 Wochen noch mit meinem Reiserucksack plus Tasche aus, um mein Hab und Gut um die Erde zu bringen, so sieht es nun nach dem Einzug schnell etwas anders aus. Dank den gelben Buchstaben auf blauem Grund verfüge ich nun über das Nötigste; ein Bett mit Bettwäsche und einem Kleiderschrank. Toll an "australischer" Bettwäsche ist die Größe der Bettwäsche. Klar gibt es in Deutschland auch extragroße Bettwäsche, doch normal ist 140x200. In Australien ist 200x200 ebenso normal und somit erschwinglich. Ich mag meine neue, große Bettdecke. Der Besuch im Einrichtungshaus hatte fast etwas Tröstendes an sich, so vertraut ist das ganze Konzept. Nach einem Rundumschlag in der Fundgrube und einigen schwedischen Fleischklössen später, war sogar Sam von dem Laden einigermassen überzeugt.

In Melbourne kann man sich in Shoppinglaunen so richtig austoben und die Australier tun es auch gerne. Daran dass die Supermärkte in der Regel von 8 bis 24 Uhr alle 7 Tage der Woche geöffnet haben, daran gewöhnt man sich sehr schnell. Und gerade am Wochenende ist es meist etwas voller in der City, da dort die meisten Länden ebenfalls geöffnet haben. Ansonsten folgt die Stadt, wie viele Großstädte, dem Prinzip, dass man für bestimmte Waren oder Outletstores in bestimmte Stadtteile oder bzw. Strassen pilgern muß. Dadurch das viele Straßen sich hier über Kilometer hinziehen, muß man nur wissen wo welches Thema vorherrscht, da sich die Themen wie Perlen hintereinander reihen. Grosseinkäufe abgesehen von der Matratze und Bettzeug, habe ich noch nicht gestartet, ich kann schließlich nur bedingt Sachen wieder mit nach Europa mitnehmen, doch die Vielfalt an Essen hat wirklich seinen Reiz. :)

Der amerikanische Einfluss ist groß in Australien. Sehr viele Fastfoodketten und amerikanische Gerichte bzw. Lebensmittel in den Supermärkten. Auffallend ist auch der Light-Anteil der Produkte und die Diätwerbungen im Fernsehen. Doch der asiatische Einfluss und die immense Auswahl ist nicht zu unterschätzen. Australien ist vom Essen her amerik-asiatisch. Das schlägt sich auch in der Bevölkerung nieder. Viele Leute sind allgemein betrachtet schlicht übergewichtig, jedoch gibt's dazwischen auch jede Menge Sportler, "Normale" und eben das andere Extrem, auch viele Magersüchtige. Ich selbst geniesse im Moment die Vielfalt und komme stets mit einer neuen verrückten Süssigkeit nach Hause. Gerade geniesse ich die neuen M&Ms Mint.

AUSTRALIER · landestypisch?


So, wie wir im Ausland mit den Fragen nach Sauerkraut, Würsten, Lederhosen, Rammstein/ Kraftwerk und Nazi zu kämpfen haben, so hat man auch ein bestimmtes Bild von den Australiern. Blond, braungebrannt, Naturtalente im Surfen, trinken Fosters, grillen bis zum Abwinken und lieben Rugby. Das es den Stereotyp Australier genauso wenig wie den Stereotyp Deutscher existiert, wissen wir alle.
Doch was ist typisch australisch? Fosters trinken, gehört auf jeden Fall nicht dazu. Es gibt gutes australisches Bier, doch Fosters oder Victorian Bitter gehört laut den bisher getroffenen Leuten nicht dazu. Begeisterte Griller? Ja, dieses Bild kann ich bestätigen. Mittlerweile habe ich mein erstes Barbecue hinter mir. Es war lustig, doch die Fleischmengen für ca. 15 Leute, die darauf innerhalb von 2h gebraten und gewendet wurden, waren enorm. *G* Und unsere Würstchen schmecken einfach definitiv besser, als die, welche ich dort probiert habe. Dafür war das Fleisch gut, ich habe zum ersten Mal Kangaroo probiert und ich muß überraschend zugeben, es ist sehr würzig und lecker.

Jetzt wo die Rugbyweltmeisterschaft in Frankreich angefangen hat und ich mich zwar in Australien einer angeblichen Rugbynation aufhalte, erhalte ich mehr Informationen darüber aus Weimar und Alsfeld, als von den hiesigen Medien. Hier ist das Endspiel übernächstes Wochenende der australischen Footballliga bedeutend wichtiger. Schon jetzt hängen überall alternative Verkehrtransportwege aus, der Einsatz zusätzlicher Trams und Busse versprochen und die Spekulationen steigen. Doch zurück zum Rugby. Da Sam und mein Mitbewohner Simon, beide All Blacks Unterstützer sind, waren wir am Samstag extra in einem Sportpub für das Spiel NZ gegen Portugal. Ich bekam nochmals die Regeln erklärt, aber ansonsten war es mehr eine Enttäuschung. Nicht das Spiel, die Örtlichkeit. Keine Stimmung, Spielkommentare waren ausgestellt, die Mehrzahl der Gäste war gar nicht wegen den Spielen da, der Fernseher winzig und als der Beginn des Spiels Australien gegen Wales anfangen sollte, wurde auf Werbesendung umgestellt. Irgendwie weil der Besitzer sonst nicht das Fussballspiel in der anderen Ecke des Pub zeigen durfte?!
Soviel dazu, die anderen Klischees werde ich noch auf die Probe stellen. Ob es einen höheren Anteil an blonden Menschen gibt, ist mir derzeit noch nicht aufgefallen, auch wenn man dem Stereotyp 'Surfer' doch ab und an begegnet. Was in Melbourne etwas befremdlich ist, denn als ich das erste Mal am St. Kilda Beach stand, war klar, hier surft garantiert niemand. Die Stadt liegt nämlich nicht direkt am Meer sondern an einer riesigen Bucht.

Samstag, 8. September 2007

MEINE NEUE WOHNGEMEINSCHAFT


Seit 2 Tagen habe ich nun endlich ein Zuhause. Von meinen Mitbewohnern habe ich noch nicht so viel mitbekommen, aber sie sind alle recht nett. Miranda ist gestern eingezogen, sie und ich, haben uns unter 30 Bewerberinnen wacker geschlagen. Als ich einzog, lag noch die Liste der Besichtigungstermine herum. Seitdem sieht die Küche schon etwas besser aus, man merkt einfach dass hier vorher fünf Kerle zusammengewohnt haben. Keine Ahnung ob der Ruf der deutschen Ordentlichkeit bei mir ausschlaggebend war, doch was das Bad betrifft, da wird wahrscheinlich noch ein Klischee erfüllt werden. Im Moment warte ich noch etwas ab und berühre so wenig wie möglich, bis ich mal herausgefunden habe, ob das ein Dauerzustand + Normal ist oder ob die Zuständigkeit seit Monaten noch in Klärung liegt. Da ich kein schlechtes Licht auf meine neuen Mitbewohnern werfen möchte, vermute ich (da jeder hier seine Zahnbürste und Handtuch im Zimmer aufbewahrt) dass die im Bad befindlichen "Gegenstände" wohl noch von den alten Mietern sein könnten. Zumal mir die drei Dameneinwegrasierer in der Dusche doch etwas rätselhaft sind, da diese weder von mir noch von Miranda sind.

Ansonsten gefällt es mir ganz gut. Die Gegend ist ruhig, man bekommt kaum mit, das man in der Stadt wohnt. Noch so ein bisschen Wissenswertes über Brunswick, meiner neuen, verruchten, multikulti Bleibe. Ursprünglich vorwiegend von Italienern, Griechen und Türken besiedelt, nun durchmischt mit ner stark alternativen Szene und seltsamen Geschäften, gibt es doch einige leckere Imbisse, nette Cafés und Lebensmittelläden. Ich bin jetzt schon Fan eines italienischen Supermarktes, wo es im gesamten Mittelgang auf 20 m Länge auf beiden Seiten nichts als nur Pasta in allen Variationen gibt und echten italienischen Parmesan! Die Unterwelt war vor ein paar Jahren noch rege im Gange, hier und im benachbarten Carlton gab's Unruhen, aber keine Bange, das ist schon etwas her. A propos Einwanderer, in Melbourne trifft man immer wieder auf deutsche Spuren. So kann man hier im Stadtteil Coburg (Stadt in Nähe meiner Oma) oder auch in Heidelberg wohnen. Tja, oder eben in Braunschweig, denn dies ist die engl. Übersetzung von Brunswick. Übrigens ich wohne in 22 Minnie Street, 3056 Brunswick, und warte auf Besuch!

Montag, 3. September 2007

ZIMMERSUCHE


Auch wenn das jetzige Hostel mittlerweile ein zweites Zuhause geworden ist, war der erste wichtige Schritt, die Zimmersuche. Zu meinem Glück, hatte Sam schon einige Termine organisiert und wusste wo die Anzeigen zu finden sind. Man sucht hier weder über die Zeitung oder Laternenpfähle (die Uni war nicht so ergiebig), nein hier in Melbourne muß man wissen, wo sich ganz bestimmte Buchläden befinden, denn dort hängen dann die WG-Zettel aus. Tja, und dann geht es los. Auswählen, Anrufen und Termine ausmachen. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass dies für mich, der ungern Fremde anruft, zudem noch auf Englisch, der schwierigste Part des Ganzen war. Denn Strassennamen klingen immer anders als wie das was später als Buchstabensalat auf meinem Zettel stand. Der Strassenatlas ist der so genannte treuste Gefährte jeder Zimmersuche, welche Stunden in Anspruch nimmt. Mehr als 5-6 Besichtigungen schafft man fast gar nicht und am besten liegen zwischen den Terminen 1,5 bis 2h dazwischen. Am ersten Tag haben wir es noch mit 1 Stunde versucht, aber dies ist einfach nicht zu schaffen.
Die WG's waren äußerst unterschiedlich. Am schlimmsten waren die asiatischen. Sorry, möchte nun keine Vorurteile aufbauen, aber das Verständnis von Wohnen unterschied sich sehr. Das Schlimmste aller Beispiele war folgendes: Stell Dir einen großen Raum 5x8m über einem Geschäft in eigentlich guter Lage vor. Der Eingang erfolgt über den Hinterhof, dessen Fassade auf dieser Seite ist nicht geschlossen, sondern aus einem massiven Gitter mit Tür besteht (Assoziation Gefängnis kommt dem nahe). In diesen nur auf drei Seiten geschlossen Raum wurden in L-Form sechs Verschläge aus Sperrholz gezimmert. Stutzig wurde ich, als ich bemerkte, dass diese nicht von innen, sondern nur von aussen mit kleinen Vorhängeschlössern (wozu die Vermieterin alle Schlüssel hatte) verschlossen werden konnten. So bleiben vom Raum noch etwa 3x5m beim Eingang für die Küche und WC übrig. Ein Bad fällt mir gerade auf, wurde mir zum Glück nicht gezeigt, ebenso wenig ein Einziger, der anderen hier "Wohnenden". In der "Küche" hätte ich äußerst ungern irgendeine Mahlzeit, noch nicht mal meine Frühstückskellogs, zubereitet. Denn abgesehen von dem Zustand der Sauberkeit, war die Zusammensetzung der Örtlichkeiten doch etwas befremdlich. Zwischen den Küchenregalen war die Kloschüssel mit Vorhang platziert, gleich rechts daneben ging die "Küche" weiter, es kam die Spüle und der Herd. Und für dieses verlockende Wohnungsangebot wollte die nette Chinesin doch tatsächlich nur, dass ich 320 EUR im Monat zahle, ihr eine Kopie meiner Aufenthaltsgenehmigung hinterlege und eine sechsmonatige Kündigungsfrist einhalte. Nach diesem Erlebnis verzichtete ich auf weitere asiatische WGs. Ich hoffe alle Asienliebhaber verzeihen mir meine Vorbehalte.
Die anderen WG's waren dagegen echt durchweg nett. In Melbourne ziehen die meisten Einwohner ein Haus vor. Wohnungen existieren, die teuersten befinden sich in der City und am Strand; alle anderen Wohnhochhäuser wirken mehr wie Sozialwohnungen. Die 'Laundry', die Waschküche scheint in Australien eine wichtigere Rolle im Haus (auch im Grundriss) als bei uns zu spielen. Vielleicht war es auch nur bei mir so, aber noch bevor man das Wohnzimmer zu sehen bekommt, landet man in der Waschküche. Die Küche dagegen war bei der Hälfte der Orte nicht so wichtig, abgesehen dass die meisten sowieso aussehen wie aus dem letzten Jahrhundert, existierte nur in der Hälfte der WGs irgendwo ein Esstisch. Die nettesten WG waren eigentlich sogar die, wo man am Küchentisch mit den Leuten seine herausragenden Eigenschaften als neuer, potenzieller Mitbewohner besprochen hat. Nach fast 15 WG-Besichtigungen, sind die Gespräche und Fragen fast schon zur Routine geworden. Obwohl die Australier auch sehr einfallsreich sein können. Oder was antwortet man zum Beispiel auf die Frage "Wenn du ein Brathuhn wärest, welcher Teil wärest Du dann?" Gegrilltes scheint hier eine tiefere Bedeutung zu haben.
Ab Donnerstag 6.9 werde ich meine neue WG beziehen. Mit vier Anderen teile ich mir dann ein Haus in Brunswick. Bin mal gespannt wie das werden wird ...