Dienstag, 27. November 2007

ARACHNOPHOBIE


Vor noch nicht mal 15min stand ich noch müde in unserem Bad herum. Während der Zahnpflege wanderte der Blick plötzlich nach unten und dort war SIE - die schlimmste Spinne, frei in unserem Bad, nicht in irgendeiner Vitrine oder hinter dem sicheren TV-Bildschirm. Nein, tatsächlich da unten einen halben Meter von meinen Füßen entfernt. Schreien ging nicht, wäre auch etwas zu übertrieben mädchenhaft. Ein kleiner Sprung weg war jedoch ok.
Aber was macht man nun? Das Biest ignorieren, einfach den Schaum ausspucken und müde ins Bett schlürfen? Ich gebe zu, das war mein erster Impuls zusätzlich mit der Massnahme, dass ich alle möglichen Türen hinter mir schloss und den fetten Spalt unter meiner Tür mit der Schmutzwäsche verstopfte. Aber zu meinem Schlafglück, zum Pech für das unschuldige Insekt kam genau in diesem Moment Dale - der Spinnentöterheld der WG zurück. Bisher habe ich ihm jedes Exemplar, dass meine unruhigen Augen erspähen konnten, triumphierend gezeigt. Schließlich hat er noch in der erste Woche behauptet, er hätte noch nie eine Spinne im Haus gesehen. Das Grinsen ist ihm vergangen, als diese Spinne, die er gewaltfrei ins Freie befördern wollte, beim Zugriff alle ihre Spinnenkinder abgeworfen hat. Hunderte von Minispinnen wuselten plötzlich über die Fliesen. Sie müssen alle auf ihrem Rücken gewesen sein. Argh!
Nach solchen Funden entwickle ich langsam aber sicher eine echte Arachnophobie. Der Auslöser ist bestimmt das Wissen im Hinterkopf, dass die tödlichsten und giftigsten Tiere hier auf einem Kontinent leben. "Hilfe, da ist ein unbekanntes Tier, Himmel bei so vielem giftigem Getier, das da könnte gefährlich sein!" Unterstützt werden diese Panikgedanken eigentlich nur durch meine reine Unkenntnis. Ich weiß nicht, ob diese oder die anderen Spinnen giftig oder gefährlich sind. Sie könnten es sein. Auf jeden Fall werde ich das Foto Rob, meinem anderen Mitbewohner übermorgen zeigen, er kennt sich mit den australischen Insekten etwas besser aus. Und ich werde morgen in der Mittagspause mal nach Naturkundebüchern stöbern. Es scheint ich muß mir ein Spinnenbuch zulegen oder ich werde hier nicht wirklich zu Ruhe kommen. Doch trotz Familienmord bin ich mir sicher, dass ich nun diese Nacht etwas besser schlafen kann ... ?! Mal sehen.

Montag, 26. November 2007

STRAND


Nach 3 Monaten hier, bin ich endlich mal aus die Stadt herausgekommen. Juchhe! Nicht das es mir hier nicht mehr gefällt, jedoch das Gefühl da draußen wartet ein ganzer Kontinent lässt sich nicht immer verdrängen. Am Sonntag hat uns Ruben (Sam's Mitbewohner) seine Heimatgegend auf der Mornington-Peninsula gezeigt. Geografische Info, das ist der östliche ("rechte") Halbinselarm, der die Bucht vor Melbourne bildet. Dorthin sind es ungefähr 80km und 1,5h Fahrt bis man durch die Stadt durch und heraus ist. Der Weg heraus, durch die Vorstädte ist ziemlich hässlich, so das man kaum versteht, warum sich die Stadt in den letzten Jahren so stark in diese Richtung ausgebreitet hat. Doch erreicht man endlich wieder die Küste, dann weiß man warum. Das MEER. Das Wasserbecken mit Melbourne am nördlichen Ende, dessen Skyline auch 60km entfernt omnipräsent bleibt. Die Möglichkeit einfach 2km in die andere Richtung vom "gezähmten" Becken den wilden Pazifik in vielen kleinen Buchten zu erleben und die Urlaubsstimmung, die Einen hier sofort überfällt. Trotz der vielen Villen, Wochenendhäusern und angebrochenen Sommerferien gibt's zudem noch immer einsame Strände zu finden. Traumhaft ... oder?

Für mich war der Strandtag ein Erlebnis. Denn auch wenn Melbourne am Meer/ in einer Bucht liegt, davon bekommt man in der Stadt selbst relativ wenig mit. In der Zeit, in der ich nun hier bin, war ich nur am Anfang 2-3 Mal in St. Kilda am Strand. Ist einfach etwas weit weg und der Stadtstrand ist auch nicht so umwerfend.
Dieses Wochenende starte ich noch einen Ausbruch aus der Stadt. Unsere WG geht zum Campen. Ein Zelt organisiere ich im Moment noch, den in freier Natur übernachte ich in Australien bestimmt nicht - nicht nachdem uns letztens bei einer unser Radtouren eine erschreckend große (ca. 1,5m lang) und agile Braun- oder Tigerschlange (giftig) die Vorfahrt genommen hat. Seitdem betrete ich sogar den Garten stets mich wachem Bewusstsein.

Dienstag, 20. November 2007

TELEFON


Hej, nach fast 3 Monaten habe ich es endlich gebacken bekommen und nun steht ein Telefon bei uns auf dem Kamin. Dank Peterzahlt.de (womit man nach Australien kostenlos telefonieren kann) und den ganzen Billigvorwahlen freue ich mich schon jetzt, auf den Klang euere Stimmen. Blog ist etwas einseitig und mit dem Mailschreiben komme ich schon jetzt nicht mehr wirklich hinterher.

Meine Nummer lautet +61 393 874 739.
Im Moment liegen unsere Zeitzonen 10 Stunden auseinander. Wenn es hier zum Beispiel abends 20Uhr ist, hat der Tag in Deutschland/ Schweiz/ Frankreich/ Dänemark/ Italien gerade erst die 10Uhr-Frühstückspause erreicht.

Sonntag, 11. November 2007

MELBOURNE CUP


Es gibt mehrere sportliche Großereignisse in Melbourne, doch das Größte ist der Melbourne Cup. Jeden 2ten Dienstag im November verödet die City und strömt in Massen aufgetakelt bis zum Gipfel der Eleganz zum Flemmington Raceground. Melbourne ist weltweit die einzige Stadt, die dem Pferderennen einen Feiertag widmet. Es gibt vier große Tage, der wichtigste ist natürlich der Cup Tag (Dienstag). Schon seit Monaten und besonders die letzten Wochen davor sind die Nachrichten über die Pferdewelt und Wetter das Gesprächsthema NR. 1. Jeder kennt Jemanden, der wiederum den todsicheren Tip hat, selbstverständlich vertraulich, auf welches Pferd man sein ganzes Hab und Gut setzen soll. Es ist ein Muß mindestens am Dienstagnachmittag in einer der vielen Sportkneipen zu sitzen und lauthals mit zu wetten. Wenn man schon nicht für min. 50 Dollar (niedrigste Preisklasse) Eintritt plus Kosten des entsprechendes Outfits (welches man sich umbedingt besorgen muß, Jeans oder Derartiges geht partout mal gar nicht) daran live teilnehmen möchte.

Der überzeugende Spruch eines jeden Kerls warum er sich bei 24°C morgens um 9 Uhr in Anzug wirft, ist der dass er die Tausende an aufgetakelte 'Chicks' einfach nicht verpassen kann. Das Wort Pferd kommt dabei in den ausschweifenden Erzählungen vergangener Gelegenheiten höchstens ein einziges Mal vor. Stattdessen bekommt man Horrorgeschichten erzählt, nachdem die Toilettenschlangen jeden Rekord brechen, soweit das sich manche Damen sogar vor allen Leuten in die Kleider machen. Diese Behauptung konnte ich leider weder bestätigen noch widerlegen. Denn nachdem ich die Kleiderordnung des ersten Samstages (Darbyday) am Bahnhof vorgeführt bekam und erfuhr, dass man die Tickets vorbestellen musste wegen den katastrophalen Zuständen im Vorjahr und niemand mich begleiten wollte, war meine Motivation den Cup am Dienstag zu besuchen verloren gegangen. Also ja, ich gestehe, ich habe diese einmalige Gelegenheit bunte, auslaufende Hühner zu sehen nicht wahrgenommen und mich somit antimelbournisch und antitouristisch verhalten. Zur Strafe mußte ich mir für diesen Eintrag Begleitfoto borgen, damit Jeder einen Eindruck bekommt was in der Cup-Woche die normale Kleiderordnung ist.
Meine Kollegin Alex war am Darbyday dort gewesen, sie meinte es wäre viel humaner gewesen als das Jahr zuvor. Die Eintrittskarten waren auf 120.000 pro Ereignistag begrenzt, im Vorjahr waren es über 130.000 Besucher gewesen. Sie meinte dieses Mal konnte man wenigstens seine Füsse auf den Boden setzen ohne über die Leute zu stolpern. Es ist der Warnsinn wie viel Geld in dieser Woche fließt, bisher habe ich noch von niemand gehört, dass er was gewonnen hat, aber darum geht es beim Melbourne Cup auch nicht wirklich. Ausser um Mode, Ferngläser und Champagnerflaschen geht um den besten Tip, die längsten Federn im Haar und die kürzeste Schlange vor einem.