
Mein Semester befindet sich bereits in der sechsten Woche und danach ist die Hälfte des Semesters schon vergangen. Die Zeit zerrinnt förmlich zwischen den ganzen Hausaufgaben, obligatorischen Lesewälzern und den nun aufdringlich, drängelnden Abgabeterminen.
Hurra, ja ich studiere wieder! Da sich die Jobsituation immer noch nicht verbessert hat und mein Touristen-Visum ablief, trat Plan B für 'Back to Uni' in Kraft. Insgeheim hatte ich nicht wirklich erwartet, tatsächlich am 20ten Juli wieder ein Student zu sein, trotz den ganzen Vorbereitungen im letzten halben Jahr. Meiner Meinung nach, hatte ich genug studiert und alles was ich nun wollte und brauchte ist jede Menge Praxis und nicht noch mehr Theorie! Doch nun nach sechs anstrengenden Wochen bin ich froh, dass ich mich für dieses Studium entschieden habe.
Was ich überhaupt studiere? Ich mache einen Master in 'Environment and Planning', also 'Umwelt und Planung'. Der Kurs wird von den Sozialwissenschaften angeboten, jedoch die Hälfte der Kurse ist zusammen mit dem Architektur Lehrstuhl. Es gibt viele verschiedene Themenrichtungen: Urbane und Ländliche Planung, Erneuerbare Energien, Jura und Gesetzgebungsgrundlagen und Mechanismen, Handhabung von natürliche Ressourcen, Disaster Management, Naturkatastrophen und Klimawechsel, ... und so weiter.
Das Studium in Australien ist anders als in mein Vorheriges und schwer zu Vergleichen:
In Weimar waren die Kurse besser aufeinander abgestimmt, hier fanden zunächst alle meine vier Favoritenkurse Montagabend zur selben Uhrzeit statt und ich lief für zwei Wochen durch die Instanzen um meinen Stundenplan mit anderen interessanten Ersatzfächern zu füllen. Ich muss weniger an der Uni präsent sein als in Weimar, es sind nur 2 Stunden jede Woche pro Kurs (muss 4 Kurse belegen). Davon ist eine Stunde Vorlesung und eine Stunde Tutorium. Diese zwei Stunden vergehen sehr schnell und Zeit überhaupt Leute kennen zu lernen existiert leider nicht. Bis auf einen Kurs, finden alle meine Kurse abends statt. Dementsprechend hatte ich erwartet es würde ausreichend Zeit bleiben, um 20h die Woche halbtags zu Arbeiten. Doch ehrlich gesagt, seit der ersten Woche bin ich am Rotieren und mittlerweile frage ich mich wirklich, was muss man nun eigentlich studieren um dieses so vielgerühmte, lässige Studentenleben führen zu können? Es ist nicht Architektur und es ist nicht mein neuer Kurs! Zum Glück konnte ich noch einen Architektur-Master-Wahlkurs belegen, ansonsten wäre ich vielleicht etwas ausgetickt. Doch nun gibt es einen willkommenen Ausgleich zu diesen reinen Theoriekursen mit der ganzen vielen Leserei und Schreiberei, und ich darf ein wenig Entwerfen.
Wie schon gesagt, ich habe sehr viel Neues gelernt in den letzten sechs Wochen, insofern bereue ich die Entscheidung erneut zu Studieren auf keinen Fall. In den letzten Jahren hat sich so viel getan und zum Beispiel Umwelt und Klimawechsel waren bisher keine wichtigen Themen in der Architektur-Lehre, jedenfalls nicht in Weimar. Jedoch da die Unigebühren für Ausländer sehr hoch sind, plane ich im Moment trotzdem den Masterstudiengang vorzeitig nach diesem einem Semester zu beenden. Die Entscheidung zu diesem Schritt wird etwas von der bald anstehenden, neuen Visa-Odyssee (Partner-Visum) abhängig sein.